Backstein kann vieles – und genau diese Vielfalt steht im Mittelpunkt des Erich-Mendelsohn-Preis für Backstein-Architektur 2026. Gesucht werden herausragende Projekte aus aller Welt, die das Potenzial des Materials neu interpretieren – von der großen Geste bis zum präzisen Detail. Mit der neuen Kategorie „Best in Germany“ rückt zudem die Verbindung von gestalterischem Anspruch und nachhaltigem Bauen in den Fokus.
Bandbreite ist die Stärke des Backsteins: Er kann elegant und rau, repräsentativ und zurückhaltend, urban und ländlich, monumental und selbstverständlich, monolithisch und verspielt sein. Er ist ein Material mit Geschichte, dessen Farben, Formate, Texturen und Verbände in der Fassade einen Reichtum an Möglichkeiten eröffnen, und der an jedem Ort für jede Bauaufgabe eine eigene Antwort gibt.
Deshalb sucht auch der gerade ausgelobte Erich-Mendelsohn-Preis (wa-2040166) keinen bestimmten Stil und keine Schule. Der Architekturpreis interessiert sich für architektonische Qualität und Bauweisen, deren Wesen gerade darin liegt, in unterschiedlichen Kontexten unterschiedlich zu antworten: im öffentlichen Bau ebenso wie im Wohnhaus, im Neubau ebenso wie in der Sanierung, in der großen Geste ebenso wie im sorgfältig gefügten Detail.
Der Erich-Mendelsohn-Preis für Backstein-Architektur zeichnet in diesem Jahr erneut herausragende Bauten aus, die das architektonische Potenzial des Backsteins auf besondere Weise zeigen. Seit 2008 hat sich der Preis mit zuletzt rund 600 Einreichungen aus mehr als 30 Ländern zu einer Auszeichnung mit internationaler Strahlkraft entwickelt. Zu seinen Preisträgern zählen Büros wie Barozzi Veiga, Alvaro Siza oder David Chipperfield. Zugleich ist er fest in der deutschen Architekturlandschaft verankert: mit etablierten Büros genauso wie mit neuen Stimmen.
Mit der neuen Kategorie „Best in Germany“ setzt der Preis in seiner siebten Runde einen zusätzlichen Akzent. Ausgezeichnet werden Projekte, die – unabhängig vom Sitz des Architekturbüros – in Deutschland realisiert wurden und in besonderer Weise zeigen, wie sich gestalterischer Anspruch mit den hohen hiesigen Anforderungen an ökologisches und ressourcenschonendes Bauen verbinden lässt. Denn nachhaltiges Bauen lässt sich nicht an Kennwerten im Moment der Fertigstellung allein bemessen, sondern ist eine Frage der Zeit. Sie entscheidet sich auch daran, ob ein Haus genutzt, geschätzt, weiterentwickelt und erhalten wird. Neben ihrer Vielfalt liegt darin eine zweite Stärke von Backsteinfassaden: ihre Dauerhaftigkeit. Sie sind robust, langlebig und kreislauffähig und bewähren sich dadurch über den Moment ihrer Fertigstellung hinaus. Daraus erwächst die dritte und vielleicht größte Stärke der Backsteinfassade: Ihre Beständigkeit geht über die Konstruktion hinaus. Backstein entfaltet eine Gestaltungskraft, die von Dauer ist – und so dazu beiträgt, dass Gebäude erhalten, weitergenutzt und nicht vorschnell ersetzt werden. In diesem Sinn richtet „Best in Germany“ den Blick auf eine ästhetische Nachhaltigkeit, die Energieeffizienz und Ressourcenschonung weiterdenkt. Die Kategorie versteht sich bewusst als offene Suche nach der Frage, wie nachhaltige Ästhetik heute zu bestimmen ist. Es ist diese Offenheit, die den Preis seit seiner Entstehung prägt. Die Jury ist dabei nicht nur auswählendes, sondern auch deutendes Gremium. Während soziale Verträglichkeit, Kreislauffähigkeit und der Umgang mit dem Bestand immer wichtigere Kategorien werden, bleibt auch die Schönheit ein Maßstab. Worin sie liegt? Wir dürfen gespannt sein, wie die Jury des Erich-Mendelsohn-Preises 2026 für Backstein-Architektur die Frage beantworten wird: in der Angemessenheit, der Materialität und Atmosphäre, der Fähigkeit, Teil des Alltags zu werden oder darin, wie die Architektur von den Menschen angeeignet wird. Sicher ist: Sie wird über das Bild allein hinausgehen und ein Bild erzeugen, das die Vielfalt des Backsteins widerspiegelt.




