Die Fassade ist längst mehr als ein Teil der Gebäudehülle: Ausgerüstet als Bindeglied zwischen Innen und Außen prägt sie ein Stadtbild, beeinflusst das Klima und übernimmt komplexe technische Aufgaben. Der Einsatz von Systemen aus Metall für das sichtbare Äußere sowie ihr stützendes Inneres kann dabei eine bedeutende Rolle spielen. Ihre technischen Eigenschaften wie Langlebigkeit, Formbarkeit und die hiermit mögliche gestalterische Bandbreite bis hin zum Brandschutz erlauben vielfältigste Anwendungen in der Architektur. Die nachfolgend vorgestellten Projekte zeigen, wie unterschiedlich Metallfassaden heute eingesetzt werden und welche Rolle sie in der architektonischen Praxis einnehmen.

Deutlich wird dies beim neuen Forschungs- und Entwicklungszentrum von Hyundai in Rüsselsheim. Hier verbindet eine hochkomplexe Metallfassade anspruchsvolle technische Anforderungen mit den Nachhaltigkeitszielen eines international agierenden Unternehmens. Die Gebäudehülle wird zum integralen Bestandteil eines zukunftsorientierten Forschungsstandortes. Gleichzeitig zeigt das Projekt, wie präzise gefertigte Metallfassaden individuelle architek-tonische Lösungen ermöglichen können.

Auch im tschechischen Olmütz übernimmt die Metallfassade eine vermittelnde Rolle: Zwischen neugotischer Kirche und klassizistischer Bibliothek schafft ein Neubau mit dunklen Glasflächen und Aluminium-Verbundplatten eine zeitgenössische Ergänzung des historischen Ensembles. Hier wird Metall zum Bindeglied zwischen den Epochen.

Mehrere Beispiele verdeutlichen die Verknüpfung von Gestaltung und Funktion: So zeigen die Quartiers-Parkgarage in Berlin oder das Parkhaus des Bundesministeriums der Verteidigung in Bonn, wie Schallschutz, Belüftung, Witterungsschutz und wirtschaftliche Anforderungen mit architektonischer Qualität verbunden werden können. Ihre Metallfassaden entwickeln dabei eine eigene Ausdruckskraft, obwohl sie ursprünglich aus rein funktionalen Anforderungen heraus entstanden sind.

Eine besondere Rolle spielt das Thema Identität: Die österreichweiten ÖAMTC-Standorte nutzen Metallfassaden als wiedererkennbares Element ihrer Corporate Architecture. Das Wohngebäude Ambra in Helsinki wiederum übersetzt die Geschichte seines Hafenstandortes in Materialität und Farbe. Das Gebäude wird zur gebauten Erinnerung, die industrielle Vergangenheit und urbane Zukunft miteinander verbindet.

Gleichzeitig eröffnet Metall neue Möglichkeiten im Umgang mit Licht, Transparenz und Atmosphäre. Die Gewebefassade eines Klinik- und Wohngebäudes in Andorra schafft ein faszinierendes Spiel aus Verschattung und Durchblick. Im Studierendenwohnheim Hi:Life in Aarhus sorgt die Kombination aus Titanzink und Holz für eine ausgewogene Balance zwischen Präzision und Wohnlichkeit. Das Mehrgenerationenhaus in Buchloe zeigt mit seiner gefalteten Aluminiumhülle, wie aus einem archetypischen Gebäudetypus eine zeitgemäße und zugleich identitätsstiftende Architektur entstehen kann.

Über nahezu alle Projekte hinweg zieht sich ein weiteres zentrales Thema: Nachhaltigkeit. Exemplarisch steht dafür auch das neue Rathaus in Hainburg. Seine vorgehängte hinterlüftete Fassade aus langlebigem Kupfer verbindet ein ressourcenschonendes Gesamtkonzept. Die natürliche Patinabildung verleiht dem Gebäude eine lebendige Ausstrahlung.

Viele Systeme sind auf Langlebigkeit ausgelegt, wartungsarm und am Ende ihres Lebenszyklus nahezu vollständig in den Materialkreislauf zurückführbar. Die Beispiele zeigen, wie zukunftsorientiert das Bauen mit Metall heute sein kann.

Klaus Siepenkort

freier Fachjournalist
Planungsbüro für Metalldächer, -fassaden und Dachentwässerung, Münster
verantwortlicher Redakteur Fachzeitschrift KlempnerMagazin und Autor von Fachbüchern