Das Beste an meinem Beruf ist ...
... meine Freude, ihn auszuüben. Seitdem ich mit 19 Jahren das Maison Clarté von Le Corbusier in Genf gesehen habe, bin ich verliebt in diesen Beruf.
Der wichtigste Rat für meine berufliche Karriere war ...
... von Klaus Humpert: „Wenn die Städte in Ordnung sind, ist auch die Gesellschaft in Ordnung.“ Klingt einfach.
Erst kürzlich entdeckt habe ich ...
... die App Merlin Bird ID von der Cornell University. Die identifiziert Vogelstimmen. Hilft zu erkennen, dass wir mit einem Wiedehopf in den Belziger Landschaftswiesen mehr teilen als mit unserem Smartphone in der Tasche.
Als Glück empfinde ich ...
... mein Leben. Ein Wunder, jeden Tag wieder, weiter, rauf und runter, voller Begegnungen, Erlebnisse, Ideen, Liebe, Trauer, Wehmut. Es gibt nichts Besseres.
Gar nicht leiden kann ich ...
... Tatenlosigkeit, Bequemlichkeit, Vetternwirtschaft. Berlin scheint allzu häufig damit zufrieden zu sein.
Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass ...
... Europa, der Rechtsstaat, Humanismus und Idealismus auch für heutige Gesellschaften Vision und Heimat sein können. Dazu eine Liebeserklärung in meiner Kolumne Viva la Vida, erschienen in der Immobilienwirtschaft 11/22.
Wenn es mal nicht so rund läuft ...
... gehe ich davon aus, dass es mehr Einsatz braucht als gedacht, befrage meine pragmatische Seite und kümmere mich.
Zuletzt staunte ich über ...
... eine Fahrstuhlfahrerin in Tokio, die in ihren weißen Handschuhen mit einer geradezu liebevollen Geste die sich schließende Tür geleitete.
Was ich witzig finde, ist ...
... die liebevolle Direktheit von Ricky Gervais.
Was ich gar nicht gut kann, ist ...
... einen eigenen Fragebogen wert. Glaubensbegabt bin ich auch nicht. Um meine Spiritualität zu stärken, lese ich gerade die Bibel.
Ich gebe mich gerne der Illusion hin, dass ...
... ich einen Unterschied machen kann und Architekten die Welt verbessern. Eine schöne Idee.
Wenn wich zum Fenster an meinem Arbeitsplatz hinausschauen, sehe ich ...
... die Reichstagskuppel, den Tiergarten, den Hauptbahnhof, die Charité, den Himmel über Berlin und das Hochhaus am Halleschen Ufer, das wir gerade umbauen.
Last but not least:
Während Rem Koolhaas für Axel Springer ein radikales, fast monumentales Statement des digitalen Umbruchs gebaut hat (wa-2013369), und E2A die Haltung der taz in eine architektonische Leitidee übersetzten als ein Netz, als Struktur und System ohne Hierarchie (wa-2013573) könnte man Ihren Entwurf für die FAZ wie eine Skulptur der Kontinuität und des eleganten Wandels (wa-2022779) interpretieren. Wie stark muss sich ein Architekt bei einem solchen Projekt von der spezifischen, historisch gewachsenen DNA des Verlags leiten lassen und wie viel Mut zur Disruption der traditionellen Markenidentität war in Frankfurt notwendig?
Die Baukörper stehen da, ohne Nostalgie, rational, abstrakt, geistig. Aber sie sind in verschiedene Richtungen verschoben. Wie Bauklötze, scheinbar zufällig, sitzen sie nicht ganz übereinander. Es war mir wichtig, diesem großen Gebäude etwas zweifelndes, imperfektes, störendes zu verleihen. Wie die anderen großen Zeitungen befindet sich die FAZ im Umbruch. Ich sehe es als ihre Aufgabe, das Offensichtliche zu hinterfragen. Auch, um besser und besser zu werden.

Eike Becker
Eike Becker studierte Architektur in Aachen, Stuttgart und Paris. 1999 gründete er zusammen mit Helge Schmidt das Büro Eike Becker_Architekten, das für superferente Architektur steht. Zu ihren realisierten Gebäuden zählen die neue FAZ-Verlagszentrale in Frankfurt, der Spreeturm und das genossenschaftliche Hochhaus-Ensemble TLW in Berlin.
Eike Becker_Architekten wurden mit dem Deutschen Immobilienpreis 2024 für das Projekt Rockywood ausgezeichnet. Eike Becker ist Mitglied des Beirats der Bundesstiftung Baukultur und des Gestaltungsrates der Stadt Kiel. Er schreibt eine regelmäßige Kolumne in der Zeitschrift „Immobilienwirtschaft“.




