Fassaden prägen seit jeher Innenstädte und Baudenkmäler. Sie erzeugen gleichermaßen Identität, indem sie zwischen dem jeweiligen Bauwerk, seinen Nutzern und der jeweiligen städtebaulichen Umgebung vermitteln. Lag in vielen historischen Epochen der Fokus der Fassadengestaltung auf Repräsentation und der „dekorativen“ Gestaltung der Außenansicht, hat sich dieser Anspruch heute um eine wichtige Komponente ergänzt. Denn im Zeitalter des Klimawandels und der Energie- und Baukostenexplosion rücken die energetische Effizienz, die funktionale Langlebigkeit sowie eine im besten Sinne zeitlose gestalterische Qualität von Fassaden in den Mittelpunkt des Interesses. Als traditionsreicher Werkstoff erlebt Keramik aktuell eine bemerkenswerte Renaissance – nicht nur, aber auch an der Fassade. Dabei verbindet sie durch ihre materialimmanenten Eigenschaften eine ausgesprochen hohe technische Leistungsfähigkeit mit einer außergewöhnlichen gestalterischen Ausdruckskraft.
Keramik steht für eine Architektur, die unabhängig von aktuellen Moden und Trends auf Dauerhaftigkeit und eine individuelle ästhetische Qualität angelegt ist. Mit unterschiedlichsten Formaten, Oberflächenstrukturen, Farbtönen oder Glasureffekten lassen sich mit keramischen Elementen oder Klinkerriemchen individuelle Fassadenbilder entwickeln, die sich wohltuend aus dem „Fassaden-Einerlei“ der jeweiligen Epoche hervorheben. Ob fein nuancierte Naturtöne traditioneller Klinkerriemchen oder markante Farbakzente, ob matte oder glänzende Oberflächen, ob zurückhaltend-homogen oder plastisch dreidimensional: Das Spiel von Licht und Schatten fasziniert und sorgt dafür, dass sich die Anmutung keramischer Fassaden mit der Tageszeit, der Witterung oder dem Blickwinkel des Betrachters verändert. So verleiht Keramik einem Gebäude eine visuelle Ausdruckskraft, die besonders authentisch wirkt.
Neben ihrer visuellen Qualität überzeugen keramische Fassaden durch ihre hohe Lebensdauer und ihre Fähigkeit, ihre gestalterische und technische Qualität über Jahrzehnte zu bewahren. Denn Keramik widersteht Hitze und Frost, UV-Strahlung, Feuchtigkeit und Luftverschmutzung mit Bravour. Während viele andere Materialien im Lauf der Zeit ausbleichen oder nachdunkeln, porös werden oder verschmutzen, überdauert die dicht gebrannte keramische Oberfläche buchstäblich Jahrzehnte – und zwar, ohne ihr Erscheinungsbild zu ändern. So sind Keramikfassaden auch in der Nutzungsphase eine ausgesprochen gute Wahl. Diese Eigenschaften empfehlen sie in besonderer Weise als „Systempartner“ für moderne, hinterlüftete Fassadenkonstruktionen im Kontext der Nachhaltigkeitszertifizierung von Gebäuden.
Keramik schafft langfristige Werte, besitzt ästhetische Ausdruckskraft, ist hochfunktional und zählt zugleich zu den wirtschaftlichsten Materialien im Bauwesen. Über die gesamte Nutzungsphase betrachtet überzeugen ihr geringer CO2-Fußabdruck und ihre Recyclingfähigkeit beziehungsweise ihre Weiterverwendung als Sekundärbaustoff.
Damit steht die keramische Fassade geradezu exemplarisch für eine Architektur, die Verantwortung übernimmt – gegenüber dem Ort, gegenüber den Menschen und der Umwelt sowie gegenüber nachfolgenden Generationen. Keramik verbindet handwerkliche Tradition mit zeitgemäßer Technologie. Und sie schafft Bauwerke, deren Qualität nicht nur auf den ersten Blick überzeugt, sondern sich über Jahrzehnte bewährt.

Jens Fellhauer
Geschäftsführung Bundesverband
Keramische Fliesen e.V.