Das Beste an meinem Beruf ist ...
... dass man immer wieder in neue Kontexte eintaucht. Am Anfang fühlt man sich oft verloren, und dann erscheint plötzlich die Idee, die alles auf einmal klar macht. Dieser Augenblick ist für mich das Schönste an diesem Beruf. Und natürlich wenn man den Anruf erhält, dass man einen Wettbewerb gewonnen hat!

Der wichtigste Rat für meine berufliche Karriere war ...
... der von meinem Vater: seiner medizinischen Laufbahn nicht zu folgen – so sehr ich es ursprünglich wollte – und mich nicht für Medizin einzuschreiben ...

Erst kürzlich entdeckt habe ich, ...
... „Die Welt funktioniert nur durch das Missverständnis; denn wenn man sich unglücklicherweise verstünde, könnte man sich niemals einigen.“ (Baudelaire)

Als Glück empfinde ich ...
... Teil eines wachsenden Architekturbüros zu sein und den Prozess des Werdens aktiv mitgestalten zu dürfen.

Gar nicht leiden kann ich ...
... Arroganz.

Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass ...
... Berlin in Zukunft mehr Fußgängerzonen und nutzbare öffentliche Plätze erhält, in denen Menschen einander begegnen können.

Wenn es mal nicht so rund läuft ...
... atme ich tief durch, versuche ruhig zu bleiben und schaue aus dem Fenster auf die Bäume, die unabhängig von allem, was geschieht, gleich bleiben.

Zuletzt staunte ich über ...
... den Vollmond vor etwa einem Monat, der unerwartet groß und hell am Himmel stand.

Was ich witzig finde, ist...
... dass Architekt*innen brutalistische Bauten lieben, während die meisten anderen Menschen sie als unansehnlich empfinden.

Was ich gar nicht gut kann, ist ...
... Bauleitung.

Ich gebe mich gerne der Illusion hin, dass ...
... es ist eher keine Illusion, sondern meine Hoffnung, dass die späteren Nutzer die Leidenschaft spüren, mit der wir die Gebäude entworfen haben.

Wenn ich zum Fenster an meinem Arbeitsplatz hinausschauen, sehe ich ...
... die gefliesten Fassaden der Gebäude an der Karl-Marx-Allee.

Last but not least:
Sie haben den Wettbewerb
Deutzer Hafen Baufeld 05 (wa-2040337) gewonnen; hierbei handelt es sich entsprechend dem städtebaulichen Entwurf von Cobe (wa-2020763) um ein gemischt genutztes Baufeld mit einer hohen städtebaulichen Dichte, das den sogenannten „Deutzer Block“ darstellt. Welche Idee war für Sie entscheidend, diese städtebaulichen Aspekte, die ikonische Blickbeziehung zum Dom und die Mischung aus Wohnen, Arbeiten und lebendiger Hafenpromenade in ein architektonisches Konzept zu übersetzen?
Die Idee des Deutzer Blocks von Cobe ist bereits sehr stark und schön, sie lässt und fordert eine besondere Vielfalt, die dem Areal eine besondere Spannung verleihen wird. Zentral für unseren Entwurf waren an dieser Stelle zwei Punkte.
Zum einen haben wir einen Vorplatz und eine zusätzliche Öffnung des Blockes im Norden eingefügt. Dieser Platz ordnet und gibt der benachbarten zentralen Markthalle mehr Platz und verleiht dem Hochhaus eine klare Adressbildung.
Der zweite entscheidende Aspekt war die Geometrie des Turms, die sich auf die historischen Silos der Umgebung bezieht, ohne diese jedoch imitieren zu wollen. Die Form entstand fast instinktiv bereits in den ersten Skizzen – eine Art „Liebe auf den ersten Blick“, von der wir uns nicht mehr lösen konnten. Uns war bewusst, dass diese Entscheidung diskussionswürdig und risikobehaftet war, doch wir haben sie mit Überzeugung weiterverfolgt.

Silvia Ciprian © Büro Schramm

Silvia Ciprian
wurde 1984 in Vicenza (Italien) geboren.
Sie absolvierte ihren Bachelor, Master und das Diplom an der Università degli Studi di Padova (Italien).
Von 2011 bis 2012 arbeitete sie als Innenarchitektin bei Bongiana Architetture in Padua.
Zwischen 2012 und 2016 war sie als Architektin bei Mila – Architektur in Berlin tätig.
Seit 2016 arbeitet sie als Architektin bei &MICA in Berlin, wo sie unter anderem am Projekt Telegraph sowie am Kreativ Quartier Potsdam (wa-2029756) mitgewirkt hat.
Seit 2022 ist sie Teamleiterin des Teams Entwerfen sowie Creative Direktorin bei &MICA in Berlin.

www.undmica.de